Die Schweizer Gesundheitseinrichtungen wollen die Menschen in der Schweiz weiterhin in optimaler Art und Weise versorgen. Darum lehnen sie diese extreme Initiative ab.
Der demografische Wandel ist Realität: Die Schweizer Bevölkerung altert, und die geburtenstarken Jahrgänge treten in den Ruhestand. Dadurch verkleinert sich die inländische Erwerbsbevölkerung. Gleichzeitig nimmt der Bedarf an Pflege und medizinischen Leistungen zu. Dieses Angebot kann nur durch hier tätige Arbeitskräfte gewährleistet werden. Entsprechend gerät es unter Druck. Ein starrer Bevölkerungsdeckel, der die Zuwanderung von Fachkräften einschränkt, verschärft den Personalmangel und führt zu einer riskanten Versorgungslücke.
Die Schweizer Bevölkerung wird immer älter. Das bedeutet: Es gibt immer mehr Pensionierte bei gleichzeitig schrumpfender Erwerbsbevölkerung. Doch ältere Menschen nehmen auch mehr Pflege und medizinische Leistungen in Anspruch. Wenn nun immer weniger Arbeitskräfte in den Arbeitsmarkt eintreten weil sie nicht mehr aus dem Ausland rekrutiert werden können, sind Versorgungslücken die Folge.
Die Initiative verlangt bei der Überschreitung der 10-Millionen-Grenze die Kündigung der Personenfreizügigkeit. Was passiert? Die Nachfrage nach medizinischen Leistungen steigt weiter an, doch das Angebot an Arbeitskräften wird gedeckelt. Das bedeutet: Stationen in den Spitälern, Praxen, Pflegeheime und Spitex-Organisationen müssen ohne genügend Personal ganze Abteilungen schliessen und Dienstleistungen abbauen. Die Wartezeiten für die Patientinnen und Patienten nehmen in allen Gesundheitsbereichen zu.
Fehlen qualifizierte Ärztinnen, Ärzte und Pflegefachkräfte, steigt die Belastung des bestehenden Personals deutlich. Das hat direkte Auswirkungen auf die Versorgungsqualität und die Patientensicherheit. Können die Schichten nicht ausreichend besetzt werden, wird es gefährlich. Studien belegen einen Zusammenhang von Personalmangel und einem erhöhten Sterblichkeitsrisiko, besonders in Notfallsituationen.
Die Kündigung der Personenfreizügigkeit verkompliziert Anstellungen in der Schweiz massiv. Einstellungen verzögern sich. Der administrative Aufwand für die Gesundheitsorganisationen nimmt zu. Die Kosten zur Personalgewinnung steigen. Das treibt indirekt auch die Gesundheitskosten weiter in die Höhe. Zudem fehlen ohne Einwanderung in den Arbeitsmarkt den Krankenversicherungen die “gesunden Risiken”. Sie finanzieren die kranken – meist älteren – Menschen. Auch das wird die Prämien zusätzlich ansteigen lassen.
Besonders gefährdet sind die Grenzregionen, deren Gesundheitswesen existenziell auf Personal aus dem Ausland angewiesen ist. Im Tessin haben fast 70 Prozent der Spitalärzte ihren Abschluss im Ausland erworben; in der Genferseeregion verfügt über die Hälfte des Pflegepersonals über ein ausländisches Diplom. Ohne diese Fachkräfte wäre das System nicht überlebensfähig.
Der Wegfall der Personenfreizügigkeit bedeutete die Rückkehr zu staatlichen Kontingenten. Wer ausländisches Fachpersonal einstellen darf, entscheidet der Staat. Dies würde zu einem bürokratischen Verteilungskampf zwischen den Kantonen, den Regionen, Branchen und letztlich auch den einzelnen Organisationen führen. Dabei werden kleinere Betriebe und insbesondere ländliche Gebiete gegenüber grossen Zentren das Nachsehen haben.
Die Schweizer Spitäler und Pflegedienste wollen die Schweiz weiterhin in optimaler Art und Weise versorgen. Darum lehnen sie diese gefährliche Initiative ab.