{"id":675,"date":"2026-04-20T09:30:00","date_gmt":"2026-04-20T07:30:00","guid":{"rendered":"https:\/\/chaos.bertaeins.ch\/hallo-welt-4\/"},"modified":"2026-04-20T10:44:19","modified_gmt":"2026-04-20T08:44:19","slug":"hallo-welt-4","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/chaos.bertaeins.ch\/it\/hallo-welt-4\/","title":{"rendered":"\u00abMassiver Schaden\u00bb: Gesundheits\u00adbranche warnt vor Pflegenotstand wegen 10-Millionen-Initiative"},"content":{"rendered":"\n    <section class=\"intro-text-block block-margins\">\n        \n                    <div class=\"lead-text-block\">\n                <p>Die Schweiz sucht verzweifelt Pflegekr\u00e4fte f\u00fcr ihre Betagten. Nun tritt eine Allianz gegen die SVP-Initiative an. Ebenfalls mahnt die Konferenz der Gesundheits\u00addirektoren \u2013 der vier SVP-Politiker angeh\u00f6ren.<\/p>\n            <\/div>\n            <\/section>\n\n\n\n\n\n\n\n\n<p><em>(Ver\u00f6ffentlicht im Tages-Anzeiger, 19.04.2026)<br><\/em>Einfach nichts. Wochen- und monatelang. Andrea Ott Wabel sucht Pflegefachleute, um Betagte in f\u00fcnf Toggenburger Gemeinden zu betreuen. Deren Zahl steigt rasant, die Menschen wollen auch im Alter m\u00f6glichst lang im eigenen Heim bleiben. An einem Tag allein erhielt\u00a0die Spitex\u00a0Toggenburg vor kurzem sieben neue Anmeldungen.<\/p>\n\n\n\n<p>Doch wenn Ott Wabel Inserate schaltet f\u00fcr Pflegefachkr\u00e4fte, gehen keine Bewerbungen ein. Zwei offene Stellen kann ihr Spitex-Verein in Wattwil derzeit nicht besetzen. Das bekommen die Betagten zu sp\u00fcren. \u00abSie wollen eine t\u00e4gliche K\u00f6rperpflege, und wir sagen dann: Dreimal pro Woche k\u00f6nnen wir Ihnen aktuell anbieten, mehr nicht\u00bb, so die Pflegeleiterin. \u00abDas stinkt den Klienten nat\u00fcrlich, weil die Lebensqualit\u00e4t darunter leidet.\u00bb<\/p>\n\n\n\n<p>Ab 7000 Franken monatlich w\u00fcrde eine diplomierte Pflegefachfrau mit Berufserfahrung im Toggenburg verdienen, sie h\u00e4tte f\u00fcnf Wochen Ferien, k\u00f6nnte ihr Arbeitspensum flexibel gestalten. \u00abDer Lohn stimmt, unsere Nebenleistungen auch\u00bb, sagt Ott Wabel.<\/p>\n\n\n\n<p>Trotzdem muss sie auf die Liebe hoffen. Dass sich eine Pflegefachfrau in einen Toggenburger verliebt und in die Region ziehen will. Die beste Chance, eine Bewerbung zu erhalten.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Zentral- und Ostschweiz sp\u00fcren Fachkr\u00e4ftemangel besonders<\/h2>\n\n\n\n<p>So ausgetrocknet wie im Toggenburg ist der Markt\u00a0in den meisten Schweizer Regionen.\u00a07000 Stellen f\u00fcr diplomierte Pflegefachpersonen\u00a0waren Ende des vergangenen Jahres ausgeschrieben, 8000 weitere Stellen mit niedrigeren Pflegeanforderungen. Das sind etwas weniger als noch ein Jahr davor, aber die Zahl steigt bereits wieder.<\/p>\n\n\n\n<p>Besonders viele Stellen sind in der Zentral- und in der Ostschweiz offen. Dort, wo eine hohe Zustimmung zur 10-Millionen-Initiative zu erwarten ist, mit der die SVP die Zuwanderung bremsen will. F\u00fcr das Gesundheitswesen w\u00e4re das wohl folgenreicher als f\u00fcr alle anderen Wirtschaftszweige. 43 Prozent der \u00c4rztinnen und \u00c4rzte weisen\u00a0ein ausl\u00e4ndisches Diplom\u00a0vor, ebenso mehr als 20 Prozent des Pflegepersonals. Rund 12 Prozent all jener, die aufgrund der Personenfreiz\u00fcgigkeit zugewandert sind,\u00a0arbeiten laut Observatoriumsbericht im Gesundheitswesen. Selbst im Urkanton Nidwalden stammt mehr als die H\u00e4lfte der Spitalfachkr\u00e4fte aus dem Ausland.<\/p>\n\n\n\n<p>Dramatisch k\u00f6nnte sich die Lage in den Grenzkantonen verschlechtern. F\u00fchrt die 10-Millionen-Initiative zur K\u00fcndigung der Personenfreiz\u00fcgigkeit, fallen Erleichterungen f\u00fcr Grenzg\u00e4ngerinnen und Grenzg\u00e4nger weg. Ein Extrembeispiel ist das Gesundheitszentrum des B\u00fcndner Bergtals Bergell: Dort stammen s\u00e4mtliche Fachpersonen in der Pflege und der Physiotherapie aus dem Ausland, wie die B\u00fcndner Regierung festh\u00e4lt.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/cdn.unitycms.io\/images\/5FLF0uVIqD88PFoep76vgp.jpg\" alt=\"Pflegeperson schiebt ein Krankenbett durch den Korridor der Privatabteilung im Kantonsspital Winterthur, Schilder zeigen zum Stationszimmer.\" title=\"Pflegeperson schiebt ein Krankenbett durch den Korridor der Privatabteilung im Kantonsspital Winterthur, Schilder zeigen zum Stationszimmer.\"\/><figcaption class=\"wp-element-caption\">Themenbild Kantonsspital Winterthur (KSW). Auf der Privatabteilung im achten Stock im Bettenhaus. Pfleger, Pflegepersonal bei der Arbeit. 08.09.2016 (Tages-Anzeiger\/Urs Jaudas)Foto: Urs Jaudas<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">10-Millionen-Initiative \u00abkann ihre Gesundheit gef\u00e4hrden\u00bb<\/h2>\n\n\n\n<p>Ein Abflauen der Nachfrage ist nicht zu erwarten, im Gegenteil. Um 43 Prozent wird der Bedarf an Langzeitpflege in den n\u00e4chsten 20 Jahren zunehmen, wie das Schweizerische Gesundheitsobservatorium\u00a0in seiner j\u00fcngsten Prognose\u00a0sch\u00e4tzt. Das entspricht der Arbeit von 7400 Vollzeitangestellten, es braucht 626 neue Pflegeheime.<\/p>\n\n\n\n<p>Nun schaltet sich deswegen die Gesundheitsbranche mit einem eigenen Komitee in den Abstimmungskampf ein. Dazu geh\u00f6ren acht Organisationen vom Spitalverband H+ \u00fcber den Berufsverband der Pflegefachleute und Spitex Schweiz bis zu Artiset, die mehrere Behindertenverb\u00e4nde vertritt. Sie warnen vor l\u00e4ngeren Wartezeiten beim Arzt- oder Spitalbesuch, vor Qualit\u00e4tseinbussen wegen Personalmangels und vor h\u00f6heren Krankenkassenpr\u00e4mien.<\/p>\n\n\n\n<p>Bundesrat Beat Jans sagte unl\u00e4ngst bei einer Rede: \u00abEigentlich br\u00e4uchte es einen Warnhinweis: \u2039Diese Initiative kann ihre Gesundheit gef\u00e4hrden.\u203a\u00bb \u00c4hnlich t\u00f6nt es bei den Kantonen, zust\u00e4ndig f\u00fcr die medizinische Versorgung. Tobias B\u00e4r, Sprecher der Gesundheitsdirektorenkonferenz, sagt: \u00abGen\u00fcgend gut qualifiziertes Personal zu haben und im Beruf zu halten, ist eine der derzeit gr\u00f6ssten Herausforderungen im Gesundheitswesen.\u00bb Die Kantone sprechen sich darum gegen die 10-Millionen-Initiative aus, die \u00abdem Gesundheitswesen massiv schaden und den bereits heute bestehenden Arbeitskr\u00e4ftemangel beziehungsweise die sehr angespannte Lage bei der Rekrutierung von Fachkr\u00e4ften im Gesundheitswesen noch versch\u00e4rfen\u00bb w\u00fcrde, wie B\u00e4r sagt.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">SVP: \u00abAngstmacherei\u00bb im Gesundheitswesen<\/h2>\n\n\n\n<p>Die Stellungnahme der Gesundheitsdirektoren ist bemerkenswert, weil vier der neun Vorstandsmitglieder der SVP angeh\u00f6ren: die Z\u00fcrcherin Natalie Rickli, der Aargauer Jean-Pierre Gallati, der Urner Christian Arnold und der Berner Pierre Alain Schnegg. Auf Fragen dieser Redaktion, welche Folgen die Initiative f\u00fcr die medizinische Versorgung in ihrem Kanton h\u00e4tte, wollte niemand von ihnen eingehen. Der Berner Gesundheitsdirektor Schnegg ist auch Pr\u00e4sident der Konferenz der Westschweizer Kantone, die eine Medienkonferenz gegen die Initiative angesetzt hat. Schnegg bleibt dem Anlass fern.<\/p>\n\n\n\n<p>SVP-Nationalrat Pascal Schmid, Stiftungsrat eines Thurgauer Pflegeheims, weist die Darstellungen der Initiativgegner als \u00abAngstmacherei\u00bb zur\u00fcck. \u00abWir haben viel mehr Pflegepersonal pro Kopf als andere europ\u00e4ische L\u00e4nder\u00bb, sagt er.\u00a0Laut OECD-Statistik\u00a0ist das Betreuungsverh\u00e4ltnis in der Schweiz so gut wie in keinem anderen Mitgliedsland. Schmid sagt, die Schweiz m\u00fcsse besser aussuchen, wen sie ins Land lasse: \u00abDas m\u00fcssen wir mit Arbeitskr\u00e4ften aussch\u00f6pfen statt mit Asylmigranten und nachgezogenen Verwandten, die nicht arbeiten.\u00bb Kein Problem seien auch Grenzg\u00e4nger, da sie nicht zur Wohnbev\u00f6lkerung z\u00e4hlten.<\/p>\n\n\n\n<p>Der Berner SVP-Kantonsparlamentarier Andreas Michel, Chef der Klinikgruppe seiner Familie, r\u00e4umt ein, \u00abdass wir im Gesundheitswesen nicht ohne Ausl\u00e4nder auskommen\u00bb. \u00abWir d\u00fcrfen den bilateralen Weg nicht gef\u00e4hrden, aber wir m\u00fcssen die Zuwanderung bremsen\u00bb, sagt er. Darum unterst\u00fctze er die Initiative. \u00abEs ist verkraftbar f\u00fcr uns, wenn es etwas schwieriger wird, Fachkr\u00e4fte im Ausland zu rekrutieren\u00bb, sagt Michel, der laufend auf der Suche nach Personal f\u00fcr seine Kliniken im Berner Oberland ist. Der Ausl\u00e4nderanteil sei dort wohl h\u00f6her als im Durchschnitt anderer Spit\u00e4ler. \u00abViele Schweizer wollen in den St\u00e4dten leben und arbeiten\u00bb, sagt Michel. \u00abAuf dem Land ist es schwieriger, die Stellen zu besetzen.\u00bb<\/p>\n\n\n\n<p>Wie im Toggenburg bleibt oft nur die Hoffnung auf die Liebe.<\/p>\n\n\n\n<p><\/p>\n\n\n\n<p><\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Link<\/h2>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-buttons is-layout-flex wp-block-buttons-is-layout-flex\">\n<div class=\"wp-block-button is-style-button-primary-border\"><a class=\"wp-block-button__link wp-element-button\" href=\"https:\/\/www.tagesanzeiger.ch\/10-millionen-schweiz-gesundheitsbranche-bekaempft-initiative-781740373221\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">Beitrag Tages Anzeiger<\/a><\/div>\n<\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>(Ver\u00f6ffentlicht im Tages-Anzeiger, 19.04.2026)Einfach nichts. Wochen- und monatelang. 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